#1

Kallisto

in Niemals geht man so ganz 19.11.2020 09:06
von kassandro • 1.400 Beiträge

Der Röttgener Deckhengst und Sieger im italienischen Derby Kallisto ist bereits am Donnerstag, den 12.11.2020 von uns gegangen:
https://galopponline.de/news/galopp-news...listo-lebt-mehr
Die verspätete Todesmeldung zeigt es auf's Neue. Röttgen ist mit ihm ebenso wie seinem Vater Sternkönig nicht gut umgegangen und hat ihm seit vielen Jahren kaum noch Stuten zugeführt. Kein Wunder, dass dann andere Züchter auch das Interesse an ihm verloren. Der Gipfel de Missachtung war die Strafversetzung nach Ungarn vor etwa 15 Jahren. Was man sich dabei gedacht hat, ist mir bis heute noch schleierhaft.
Sowohl als Renn- als auch als Zuchtpferd hat er nicht ganz die Klasse seines Vaters Sternkönigs erreicht. Die wenigen noch aktiven Sternkönig-Töchter sind heute hochbegehrt: 2018 gewann er das Mutterstutenvater-Championat und im Jahr davor belegte er einen 2. Platz, vor allem Dank der Derby-Sieger Windstoß und Weltstar. Von Kallisto darf man solche eine Entwicklung nicht erwarten, aber nachtrauern wird man ihm wohl trotzdem, denn er war fast ein so guter Outcross wie sein Vater. Er war der vorletzte Hengst in Deutschland und einer der letzten der ganzen Welt, der frei von Northern Dancer Blut ist. In Deutschland bleibt da jetzt nur noch Lord of England übrig.
Immerhin hat er bei nur wenigen Nachkommen zwei Siegerinnen in den Oaks d'Italia, Gyreka und Nepal, und zwei Zweitplatzierte im Deutschen Derby, Antek und Dickens sowie den dort drittplatzierten Nordvulkan hervorgebracht. Hinzu kommen die Gruppe-Sieger Andolini, Anna Katherina und die tolle Si Luna. Allzu nachhaltig waren seine Nachkommen nicht. Von den oben erwähnten Pferden war einzig Si Luna ein Dauerbrenner. Man sagt seinen Nachkommen auch eine mangelhafte Härte nach. Nicht vergessen kann ich den tragischen Dekan, der unmittelbar nach einem brillanten Debut in Bremen kollabierte und verstarb.
Aus dem winzigen Jahrgang 2018 brillierte heuer seine Tochter Marlar aus der Renzzucht. Sie gewann ein gut besetztes Auktionsrennen in Dortmund und war danach Dritte im Preis der Winterkönigin. Da Kallisto-Nahckommen nicht gerade für Frühreife bekannt sind, dürfen wir von ihr noch einiges im nächsten Jahr erwarten. Möge sie noch viel Ehre für ihren Vater einlegen!


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#2

Affenzoo

in Niemals geht man so ganz 06.02.2022 13:05
von kassandro • 1.400 Beiträge

Kallistos Hoffnung Marlar sollte auch dreijährig nicht enttäuschen, aber der Diana-Traum platzte bei der Diana-Quali in Mülheim am 6.06 in Mülheim. Sie lief dann in Hamburg in der Stutenmeile mit einem 5. Platz auch nicht gerade überzeugend, so dass man dann, als man nicht mehr viel von ihr erwartete, sogar auf 1400 Meter runterging, und siehe da: Auf dieser Distanz zeigte sie in Düsseldorf ihre beste Leistung:


Anfang Oktober ging es dann mit einem guten 2. Platz über dieselbe Distanz ebenfalls in Düsseldorf weiter. Ende Oktober enttäuschte sie dann allerdings beim Saisonfinale in Hannover wiederum über 1400 Meter. Ich hab in Mülheim und Hannover auf sie gewettet und dabei lieferte sie wohl ihre beiden schlechtesten Leistungen ab.

Während Marlar zwar nicht entäuschte aber die große Erwartungen verfehlte, übertraf ein anderer Kallisto-Nachkomme ebenfalls im Besitz der Familie Renz die Erwartungen deutlich. Ich meine Aff un zo, den ich scherzhaft immer als Affenzoo bezeichne. Er debütierte mittelmäßig am Diana-Renntag 2020 in Düsseldorf, um dann 7 Wochen später in einem Maiden-Rennen eine wirklich gute Leitung hinter dem späteren Winterfavoriten und Union-Sieger Best of Lips aber deutlich vor der späteren Gruppe-Siegerin Sconset zu belegen. Dann hätte man eigentlich die Zweijährigen-Saison beenden müssen, denn es ging von da an nur noch bergab, und für mich war der Affenzoo ein typisches Pferd, das zweijährig verheizt wurde. Dreijährig zeigt er dann aber, dass dem nicht so war, In Köln konnte er schließlich am 2.05.2021 souverän seine Maidenschaft ablegen. Er wurde daraufhin für das Derby-Trial in Düsseldorf genannt, und zeigte dort eine für mich dann doch sehr überraschende Leistung. Von den letzten Plätzen kommend zog er in der Manier eines großen Stehers am späteren Derby-Sieger Sisfahan vorbei zu einem schönen Sieg:

Ich hab Bilder zu diesem Rennen auf Wikipedia Hochgeladen:
https://commons.wikimedia.org/wiki/Categ...erby_Trial_2021
Hier einige Bilder von ihm (draufklicken für höhere Auflösung):



Das war schon nicht schlecht und er gehörte damit zum erweiterten Derby-Favoritenkreis. Im Derby lief er mit einem 5. Platz dann auch gar nicht schlecht, wenn man den ungünstigen Rennverlauf berücksichtigt. Am 8.08 sah man ihn dann erneut beim GP von Berlin und ich gab auf ihn auch eine Außenseiterwette ab. Von ganz hinten kommend hatte er dann auch einen guten Moment auf der Zielgerade, wurde aber dann etwas behindert und fiel wieder zurück:

Das war schon enttäuschend. Torquator Tasso wurde stärker behindert und kämpfte sich trotzdem noch auf einen 2. Platz vor.
Im Iffezheimer Auktionsrennen, bei dem der ebenfalls im Besitz der Familie Renz stehende Derby-Dritte Imi tragisch verunglückte, zeigte er dann mit einem 3. Platz eine dem enttäuschenden Auftritt in Hoppegarten angemessene Leistung. im Dortmunder St. Leger übertraf er dann wieder die Erwartungen:

Das war schon eine starke Leistung, aber es sollte im Silbernen Pferd Ende Oktober noch viel besser werden:

Ohne angefasst zu werden siegt er überlegen vor Loft, gegen den er im St. Leger noch hart kampfen musste, sogar mit Aufgewicht. Diese starke Leistung lässt einen für die nächste Saison vom Ascot Gold Cup, den Prix du Cadran oder wenigstens dem Oleander-Rennen träumen. Von dem extrem harten Melbourne Cup sollte man allerdings nicht träumen. Dafür erscheint er mir einfach nicht robust genug zu sein. Man kann nur hoffen, dass er nicht nach Australien verkauft wird, aber in den europäischen Toprennen für die Extremsteher sollte er zumindest auf aufgeweichtem Geläuf realistische Chancen haben. Das dachte man 2021 allerdings auch von Quian, der 2020 die deutschen Extremsteher-Rennen beherrschte, dann aber 2021 masslos enttäuschte.


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zuletzt bearbeitet 09.02.2022 21:54 | nach oben springen

#3

RE: Affenzoo

in Niemals geht man so ganz 06.02.2022 14:34
von kassandro • 1.400 Beiträge

13000€ kostete der Affenzoo bei der Herbstauktion 2018, wo gewöhnlich billige Pferde verramscht werden. Seltsam ist, dass der Affenzoo schon bei der Auktion den kölschen Namen Aff un zo trug. Normalerweise kölschifiziert Holger Renz seine Pferde erst nach dem Kauf. Das kostet ihm in der Regel ein paar Hundert Euro, glaube ich.
Der Affenzoo entstammt der von Luciano 1974 in Deutschland begründeten Linie der Anserma. Von deren Tochter Auenquelle (von Windwurf) versprach man sich dann wohl einiges, denn die wurde nach dem gleichnamigen Gestüt benannt. Schaut man sich aber die Linie auf Galopp-Sieger.de an, so kann man eigentlich nicht von einer besonders guten Mutterlinie sprechen. So richtig los ging es bei dieser Linie erst mit der Platini-Tochter Antara. Nachdem diese überlegen den Preis der Deutschen Einheit 2009 gewann und an Godolphin verkauft wurde, erzielte sie auch in derem berühmten blauen Dress etliche gute Resultate. Ihre Vollschwester Andarta, die auf der Rennbahn nicht über einen Maidensieg hinauskam, blieb in Deutschland und ist die Mutter von Affenzoo geworden. Die Paarung mit Kallisto macht nicht nur wegen des günstigen Preises des Deckhengstes Sinn, denn Antara und natürlich auch Andarta hatten bereits einen recht erfolgreichen Halbbruder von Kallisto, den leider tödlich verunglückten Andolini, immerhin Gruppe III Sieger. In Affenzoo schwingt auch der alte Nick zwischen Königsstuhl und Surumu mit. Königsstuhl ist der Großvater von Kallisto und Surumu der Großvater von Andarta. Sehr schön am Affezoo-Pedigree ist auch, dass er frei von Northern Dancer Blut ist. Solche Pferde sind mittlerweile sehr rar. Zusammen mit der Diana-Siegerin Palmas hatten wir 2021 aber sogar zwei Toppferde mit dieser seltenen Eigenschaft. Es wäre natürlich ganz lustig, beide Northern Dancer freien Toppferde irgendwann miteinander zu paaren, was allerdings wegen der starken Inzucht auf Surumu nicht sonderlich intelligent wäre, aber man darf hoffen, dass der Affenzoo irgendwann die Hengstlinie des großartigen Sternkönig einmal fortsetzt. Dazu muss er auch 2022 gute Leistungen bringen. Die Grundvoraussetzungen GAG >= 95 und eine Gruppe-Platzierung hat er bereits 2021 übererfüllt.


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zuletzt bearbeitet 09.02.2022 22:28 | nach oben springen


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