#1

Glyphosat

in Ohne Photo 28.05.2016 12:20
von kassandro • 430 Beiträge

Glyphosat ist das meistverkaufte Unkrautvertilgungsmittel (Herbizid) der Welt. Es ist seit 1974 auf dem Markt. Es ist biologisch gut abbaubar und für Lebewesen nur verhältnismäßig wenig giftig, zumindest wenn man den LD50-Wert als Maßstab nimmt. Unter dem LD50-Wert versteht man diejenige Masse in Milligramm, die durch Aufnahme mit dem Mund pro Kilogramm Körpergewicht eines Tieres notwendig ist, um das Tier mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% zu töten. Je höher also der LD50-Wert desto weniger giftig ist eine Substanz. Im Vergleich zu anderen Substanzen schaut die Situation für Glyphosat so aus

Die akute Giftigkeit von Glyphosat ist also kaum größer als die von Alkohol und viel, viel geringer als die von Koffein und Nikotin.


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#2

Genialer Wirkmechanismus

in Ohne Photo 16.06.2016 10:50
von kassandro • 430 Beiträge

Das geniale an Glyphosat ist sein Wirkmechanismus und das man ihn sehr gut versteht. Es blockiert einen biochemischen Prozess, den es nur im Blattgrün gibt, Genaueres auf Wikipedia. Pflanzen, die kein Blattgrün haben, schadet Glyphosat nicht. Das wird systematisch z.B. bei Rebstöcken verwandt, um sie in der Phase, wo sie keine Blätter tragen, von allem möglichen Unkraut zu befreien. Ansonsten wird Glyphosat in Europa in der Regel vor der Aussaat oder vor dem Auskeimen der Nutzpflanzen eingesetzt, um das Unkraut zu vernichten. Dadurch spart man sich das umpflügen des Ackers vor der Aussaat. Dadurch verbessert Glyphosat die CO2-Bilanz und vermindert die durch das umpflügen geförderte Bodenerosion. In geringerem Umfang wird Glyphosat auch vor der Ernte eingesetzt. Dann stirbt zwar nicht nur das Unkraut sondern auch die Nutzpflanze ab. Dadurch kann man gezielt die Trockenphasen des Sommers nutzen, um z.B. Weizen genau in diesen Phasen abzuernten. Andernfalls kann es passieren das der Weizen in einer Nassphase ausreift und das Korn vor der Ernte zu keimen beginnt.
Noch viel genialer ist natürlich, daß man die Nutzpflanzen gentechnisch so verändert, dass Glyphosat auf sie auch nicht mehr in der Grünphase schädlich ausführt. Dadurch man die Nutzpflanzen ganzjährig mit Glyphosat behandeln und von Unkraut freihalten. Das wird mit Soja, Mais, Baumwolle usw. im großen Stil gemacht. Insbesondere in Argentinien werden mittlerweile 60% der ganzen landwirtschaftlichen Fläche mit Glyphosat-resistentem Gensoja bepflanzt. Diese extreme Entwicklung hat dort nach der Staatspleite von 2001 eingesetzt und hat geholfen, das Land wirtschaftlich zu stabilisieren, denn das Gensoja wird als Viehfutter auch nach Europa exportiert und trägt so entscheidend dazu bei, die Zahlungsbilanz auszugleichen. Nirgendwo werden Mensch und Tier stärker Glyphosat ausgesetzt als in der argentinischen Landwirtschaft. Die Exposition ist tausend- wenn nicht gar millionenfach stärker als beim europäischen Konsumenten, der Glyphosat indirekt in sehr geringem Maße aufnimmt. In diesem geringen Maße ist allerdings Glyphosat mittlerweile überall.

Gemessen an seinem raffinierten Wirkmechanismus ist das Glyphosat-Molekül von erstaunlicher Einfachheit:

Auffällig ist vor allem das Phosphor-Atom, das ähnlich wie bei der Phosphorsäure "verbaut" ist, und deshalb auch den Namen des Herbizids prägt. Bei den drei Kohlenstoff-Atomen wurde in obiger Strukturformel wie in der organischen Chemie üblich die Bezeichnung der Übersichtlichkeit halber weggelassen.


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zuletzt bearbeitet 29.06.2016 08:45 | nach oben springen


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