#1

Der Neue Wurmberg

in Landschaften und Städte 15.01.2014 00:09
von kassandro • 413 Beiträge

Gemessen an seinen geographischen und klimatischen Möglichkeiten (große Höhenunterschiede und hohe Niederschlagsmengen) war der Harz im Hinblick auf den alpinen Skilauf lange Zeit ziemlich unterentwickelt. Der Brocken, der im Prinzip Nordabfahrten mit fast 1000m Höhenunterschied gestatten würde, war direkt am eisernen Vorhang gelegen und somit lange Zeit absolutes Sperrgebiet. Danach wurde er Naturschutzgebiet und so gibt es auf diesen eigentlichen idealen Skiberg bis heute keine einzige alpine Wintersporteinrichtung. Auf dem zweithöchsten Harzer Berg, dem Wurmberg, unmittelbar nördlich von Braunalge und südwestlich von Schierke gelegen, hat der Skisport hingegen durchaus einige Tradition. Den Abfahrten nach Norden waren jedoch durch die nahe Grenze enge Grenzen gesetzt und auch heute stellen sich dort dem Skisport durch den Naturschutz bedingte Barrieren entgegen. So spielt sich skifahrerisch das Geschehen hauptsächlich an der Süd- und Südostseite des Wurmbergs ab. Theoretisch gibt es sogar zwei Abfahrten bis zur Seilbahntalstation mit einen Höhenunterschied von satten 400m. Beide Abfahrten kann man jedoch im Unterteil höchstens als breite Wanderwege bezeichenen, sind also als Massenabfahrten völlig ungeeignet. Auf der nachfolgenden Karte sind diese Abfahrten Nr.1 und 2 im Unterteil viel zu breit eingezeichnet:

Als besonders kostengünstiges Skigebiet hat sich in der Vergangenheit der Skihang am Kaffehorst entwickelt. Statt mit der teuren Seilbahn ist dieses Skigebiet über die Wurmbergstraße entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze erreichbar. Es gab dort einen eine kleine Baude und einen kleinen Parkplatz, der allerdings am Wochenende bei guter Schneelage schnell überfüllt war. Der kleine Hexentriftlift ging auch nicht zum 972 Meter hohen Gipfel sondern nur von 732 bis 810m, überwand also nur knapp 80 Meter. Vor diesem Hintergrund reiften im Laufe der Zeit Pläne heran, eine neue Abfahrt vom Kaffeehorst hinauf zum Wurmberggipfel zu schaffen, womit dann auch alle Skigebiete am Wurmberg miteinander verbunden wären und dem Skifahrern sich ein sehr abwechslungsreiches Skigebiet eröffnen würde. Als die Pläne konkreter wurde, formierte sich erheblicher Widerstand von "Naturschützern" außerhalb des Harzes, die für sich ein Bevormundungsrecht gegenüber der "dummen" Bevölkerung vor Ort reklamierten. Die Stadt Braunlage reagierte im Mai 2012 darauf mit einer Unterschriftenaktion und konnte immerhin 2000 Unterschriften von etwa 5000 Einwohnern einsammeln. Danach wurden im Spätsommer 2012 mit der Abholzung einer großen Fichtenplantage am Kaffeehorst vollendete Tatsachen geschaffen. Auf diesen Gebiet ist dann ein großer Parkplatz entstanden. Die Naturschutzorganisationen zogen danach ihre Klagen vor dem Verwaltungsgericht in Lüneburg zurück. Ob dafür auf irgendwelche Weise auch Geld geflossen ist wie bei ähnlichen Projekten ist nicht bekannt. Als nächstes wurden auch Bäume im Gipfelbereich entfernt. Auch zahlreiche große Steine wurden mit schweren Gerät entfernt. Gerade der Gipfelbereich der neuen Abfahrt ist aber noch extrem steinig. Hier muß unbedingt nachgebessert werden!, sonst könnten es bei knapper Schneedecke nicht nur Schäden an dn Skiern sondern auch schwere Unfälle wie kürzlich bei Michael Schumacher geben.
Hier ein Photo der neuen Abfahrt aufgenommen vom neuen Parkplatz:

Am rechten Bildrand sieht man den ehemaligen Kiosk, der 2014 durch ein neues Gebäude ersetzt werden soll. Die Betreiberin, die dort über viele Jahre wacker die Stellung gehalten hatte, wurde mit übelsten Entmietungsterror von der Stadt Braunlage aus einem gültigen Pachtvertrag hinausgedrängt, das alles unter Leitung des sozialdemokratischen Bürgermeisters Stefan Grote. Was würde die SPD nur herumschreien, wenn privaten Vermieter sich so verhalten würde. Die ganze Angelegenheit ist eine große Schande für das Wurmbergprojekt, die nicht in Vergessenheit geraten darf. Hier ein Bild des sehr steinigen Gipfelstücks der neuen Abfahrt:


Von oben sieht die Abfahrt so aus:


Im Bereich des Kaffeehorst sind einige neue Gebäude entstanden:


Auf dem Gipfel steht noch Wurmbergschanze, die wenige Jahre nach einer Millionen teuren Erneuerung stillgelegt wurde:


Auch im Gipfelbereich sind neue Gebäude entstanden:


Auf einigen der obigen Bilder sieht man unzählige Schneelanzen. Zu deren Betrieb benötigt man Wasser und dazu hat man den Schneisee errichtet:


Den Schneisee kann man nur als sehr gelungen bezeichnen und wenn die Natur erst mal seine Ufer begrünt hat, wird daraus eine echte Attraktion für den Wurmberg auch im Sommer werden. Hier einige weitere Bilder von ihm:



Der Schneisee kommt in Form von Schneekanonen natürlich auch den anderern Abfahrten zu gute, hier der Nordhang:


Hier zwei Aufnahmen des Gipfelplateaus, eine von 2006 und die andere von Ende 2013:

Extreme Unterschied gibt es auf diesen beiden Bildern auch beim Schnee. Von einem Winter 2013/2014 kann man eigentlich überhaupt nicht mehr sprechen! Die obigen Aufnahmen wurden allesamt am 16.11.2013 angefertigt. Es bestand eine sogenannte Inversionslage und ich kam bei 10 Grad Plus auf dem Gipfel regelrecht ins Schwitzen. Es gab dann Anfang Dezember ein kurzes Winterintermezzo und der neue Wurmberg konnte am 6.12.2013 schließlich offiziell seiner Bestimmung übergeben werden. Danach ist die der Winter wieder verschwunden. Fast könnte man meinen, der Fluch der "Naturschützer" lastet über den neuen Wurmberg, aber irgendwann wird auch König Winter dem 7,5 Millionen teuren Projekt seinen Segen geben.

Zum Schluß noch ein Blick rüber zum Brocken mit der Brockenbahn:


Ein (viel zu) kurzes Pferdeleben
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zuletzt bearbeitet 09.04.2015 02:29 | nach oben springen

#2

Ein Jahr später (23.11.2014)

in Landschaften und Städte 09.04.2015 04:07
von kassandro • 413 Beiträge

Am 23.11.2014, also etwa Jahr seit dem letzten mal, war ich erneut auf dem Wurmberg, um zu sehen, wie es weitergegangen ist mit dem Neuen Wurmenberg und wie sich die Natur den Veränderungen angepasst hat. Auffälligste Veränderung war sicherlich das Verschwinden der mächtigen Skisprungschanze, die einst das weithin sichtbare Wahrzeichen des Wurmbergs war. Wegen eines gebrochenen Knöchels war der 23.11 mein einziger Besuch auf dem Wurmberg in diesem Jahr. Das Wetter war fast noch besser als vor einem Jahr.

Vom Kaffeehorst sieht der Wurmberg jetzt so aus:


Die Gebäude am Kaffeehorst:


Hier die neue Abfahrt zum Kaffeehorst:

Im oberen Bereich der neuen Abfahrt erfolgt die Beschneiung durch die Schneelanzen auf der linken Bildseite der obigen Bilder. Im unteren Bereich werden zusättlich die beiden nachfolgenden Schneekanonen eingesetzt:


Hier ein Blick auf den Kaffeehorst von der neuen Abfahrt:


Die Liftanlage der neuen Abfahrt:


und der alten Abfahrt:


Oben auf dem Gipfel sind diese kleinen Vorbecken zum Schneisee hinzugekommen:

Der Sinn dieser Anlage erschließt sich mir nicht.

Bilder vom Schneisee:





Weitere Gipfelbilder:



Ein Bild hinunter zur Hütte des Wintersportvereins am Fuß der ehemaligen Skischanze:


Ein Blick rüber zum Brocken darf natürlich auch nicht fehlen:


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zuletzt bearbeitet 09.04.2015 04:11 | nach oben springen

#3

Bilder von den Rodungsarbeiten (23.08.2012)

in Landschaften und Städte 21.02.2016 04:48
von kassandro • 413 Beiträge

Nachträglich noch ein paar am 23.08.2012 aufgenommene Bilder von den Rodungsarbeiten

Mein Fahrrad hab ich damals exakt am 700m-Höhenschild abgestellt werden:


Jetzt soll auch die recht schmale Zugangsstraße verbreitert werden. Zwar ist die Enge der Straße bei Hochbetrieb und den damit verbundenen Gegenverkehr für die Autofahrer sehr unangenehm, mitunter gibt es sogar Staus, aber all das findet nur an relativ wenigen Tagen im Jahr statt. Außerdem verläuft der Verkehr in der ersten Tageshälfte überwiegend in Richtung Kaffeehorst und in der zweiten Tageshälfte dann in umgekehrter Richtung. Der unangenehme Gegenverkehr, der auf einer so schmalen Straße zum abbremsen oder gar Ausweichmanövern zwingt, ist also relativ selten. Ich halte deshalb einen so massiven Eingriff in die Natur - die Straße ist mehrere Kilometer lang - nicht für verhältnismäßig. Außerdem entstehen langfristig höhere Wartungskosten für die Gemeinde. Kurzfristig - und das ist für den nur an seine Wiederwahl denkenden Bürgermeister wohl das Hauptargument - spart sich die Gemeinde durch den Neubau und die damit verbundenen Subventionen die dringend nötige Straßenerneuerung und der Bürgermeister könnte mit dem Neubau einer Straße herumprotzen. Meine Meinung: Nein zur Straßenverbreiterung, ja zur Straßererneuerung.


Ein (viel zu) kurzes Pferdeleben
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zuletzt bearbeitet 21.02.2016 04:49 | nach oben springen


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